Richtiges Heizen und Dämmen – zweiter Teil

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Deutschlands Häuser sind besser als ihr Ruf – eine moderne Heizungsanlage bringt oft mehr als Dämmung
Oft passiert es, dass Bauberater mithilfe ihrer Wärmebildkameras den Kunden von einer Dämmung überzeugen wollen. Wenn die Sonne scheint, erscheinen Hausfassaden auf dem Monitor in grellem Rot und Gelb, was auf eine schlechte Dämmung und enormen Wärmeverlust schließen lässt. Er zeigt den Hausbesitzern Vergleichsbilder anderer Gebäude, deren Wände kühle Grün- und Blautöne zeigen: „So sieht ein Haus aus, das kaum Wärme verliert“, sagt der Experte, rät zu einer umfassenden Dämmung – und weiß auch gleich die richtige Firma dafür.

Was der Hausbesitzer nicht weiß: Die von der Thermografiekamera gemessene Wärme der Fassade zeigt nur die Reflexion der Sonnenstrahlen. Somit macht eine Thermografie bei Tageslicht jedes Haus zum Sanierungsfall. Es kommt öfter vor, dass Bauberater mit Wärmebildern Grundeigentümer zu unnötigen Fassadendämmungen überreden – und dafür Provisionen von ihren Partnerfirmen kassieren.

Die allgemeine Verunsicherung der Deutschen, seit der Heizölpreis im Juli ein Rekordniveau von fast einem Euro pro Liter erreichte, macht es den Betrügern noch einfacher. Trotz des Preisabfalls ist die Bereitschaft vieler Hausbesitzer ist groß, kräftig in die Dämmung ihrer Immobilie zu investieren, da mittelfristig Energie trotzdem teuer bleiben wird, zumal immer wieder von strengeren Vorschriften für Energieeffizienz die Rede ist.

Trotzdem kann man mit den Wärmebildkameras tatsächlich Schwachstellen in der Dämmung eines Hauses orten. Doch nur dann, wenn korrekt gemessen wird. Die Aufnahme sollte früh am Morgen, noch vor Sonnenaufgang, erfolgen und zwar nur dann, wenn es am Vortag nicht besonders heiß war, da die Restwärme die Analyse verfälschen kann. Zudem müssten auch Vergleichsaufnahmen im Inneren gemacht werden, um alle Kätebrücken im Mauerwerk zu entdecken.

Korrekt ausgeführt, zeigen Wärmebildaufnahmen in den meisten Fällen keinen oder allenfalls einen geringen zusätzlichen Dämmungsbedarf. Oft werden die Fassaden nämlich schlechter dargestellt als sie es sind. Experten zufolge ließen sich durch die Anbringung einer zusätzlichen Dämmung deshalb die Heizkosten im Schnitt nur um sieben Prozent reduzieren.

Angesichts der für die Dämmung anfallenden Kosten von durchschnittlich 15 000 bis 20 000 Euro bei einem Eigenheim ist so eine Dämmung in der Regel unökonomisch. Wenn nach 30 bis 40 Jahren die Ausgaben durch die Heizenergieersparnis wieder hereingeholt sind, ist die Dämmung auch wieder erneuerungsbedürftig.

Eine nachträglich verstärkte Dämmung kann die Heizkosten sogar in die Höhe treiben. Vor allem bei Ziegelsteinmauern, da diese die Sonnenwärme speichern und so verhindern, dass die erwärmte Luft durch die Mauern aus den Zimmern entweicht. Die künstliche Dämmung verhindert jedoch diesen Effekt. Welche Folgen eine falsche Dämmung haben kann, zeigt eine Vergleichsuntersuchung zweier Mietshäuser einer Wohnungsgesellschaft in Hannover. Diese hatte ein Gebäude mit Polystyrol und Kunststoffverblender zusätzlich dämmen lassen, das andere Haus nicht. Zuvor waren die Heizkosten in beiden Häusern weitgehend identisch. Seither sind sie im modernisierten Gebäude jedoch Jahr für Jahr bis zu 13 Prozent höher als im unsanierten Haus.

Um Heizenergie einzusparen, ist es meist sinnvoller, zunächst die alte Heizungsanlage durch ein neues, verbrauchsarmes Modell zu ersetzen. Das kostet nur 6000 bis 8000 Euro und rentiert sich durch den deutlich niedrigeren Verbrauch bereits nach einigen Jahren. Eine Dämmung sollte man erst dann ins Auge fassen, wenn die neue Heizungsanlage keinen Erfolg bringt.

Wie und mit welchen Materialien eine Fassade am besten abgedichtet wird, muss im Einzelfall von einem Bausachverständigen erörtert werden. Verbände wie der VPB und Verbraucherschutzzentralen vermitteln seriöse Berater.

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