Was kostet eigentlich eine Handwerkerstunde?

Daniel Dodt News 1 Comment

Bei der Prüfung einer Handwerkerrechnung ist vielen Verbrauchern nicht bewusst, dass in dem vom Handwerker kalkulierten Stundensatz weit mehr enthalten ist als der reine Stundenlohn. Dabei wird das Arbeitsentgelt leider oft mit dem Stundenverrechnungssatz des Handwerksbetriebs gleichgesetzt. Der auf den ersten Blick recht hohe Verrechnungsbetrag und die angeblich teure Leistung rücken somit immer wieder in den Fokus der Kritik. In diesem Zusammenhang weisen die Experten von  MyHammer darauf hin, dass die Handwerkerpreise pro Stunde nichts über den Verdienst eines Betriebes aussagen und auch nur bedingt Aufschluss über die Gesamtkosten einer Leistung geben.

So setzt sich eine Handwerkerstunde zusammen

Neben dem reinen Lohn des Handwerkers fließen noch zahlreiche andere Kostenblöcke in den Stundenverrechnungssatz eines Betriebs ein. Für die Handwerkerstunde eines Gesellen werden derzeit in der Regel rund 40 bis 60 Euro in Rechnung gestellt. Der Nettostundenlohn macht dabei häufig nur 20 bis 25 Prozent des ausgewiesenen Endpreises aus.

Etwa ein weiteres Fünftel entfällt auf den Bereich der Lohnnebenkosten. Aus diesem Anteil bezahlt der Betrieb neben den Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung unter anderem auch die Löhne an gesetzlichen Feiertagen, die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Den größten Posten in der Kalkulation machen die sogenannten betrieblichen Gemeinkosten mit etwa 30 bis 40 Prozent aus, zu denen neben den anfallenden Ausgaben für Fahrzeuge, Büro, Werkstatt, Energie, Wasser, Verwaltung und Reparaturen auch die Kosten für Werbung, Marketing, Kredite oder die Rechtsberatung gezählt werden können.

Grafik: Stundenverrechnungssatz am Beispiel des Berliner SHK-Handwerks

Der einkalkulierte Gewinn, in dem sich der eigentliche Verdienst des Unternehmens widerspiegelt, beträgt dagegen meist nur drei bis fünf Prozent des Endpreises und liegt somit häufig in einem Bereich zwischen 1,50 Euro und 2,50 Euro pro berechneter Stunde. Schlussendlich wird für den privaten Endkunden die Mehrwertsteuer in Höhe von 19% auf den Nettoverrechnungssatz aufgeschlagen. Zusätzlich zu den Handwerkerstunden stellen Betriebe je nach Auftrag auch den Materialaufwand in Rechnung. Entsprechende Zusatzleistungen wie Planung, Beratung oder Gewährleistung werden oft in diesem Bereich verrechnet.

Preise je nach Region und Gewerk sehr unterschiedlich

Je nach Gewerk und Region können die Preise für eine Handwerkerstunde stark voneinander abweichen und auch unter oder über dem Betrag von 40 bis 60 Euro liegen. Besonders in wirtschaftsstarken Regionen und bei techniklastigen Aufträgen können die kalkulierten Kosten erheblich höher ausfallen.

Handwerkerkosten von der Steuer absetzen

Bereits seit 2006 gewährt der Staat bei Dienstleistungen rund um den Haushalt einen attraktiven Steuerbonus. Werden handwerkliche Tätigkeiten in Auftrag gegeben oder Hilfen für den Haushalt in Anspruch genommen, können die Ausgaben bis zu einem jährlichen Betrag von 6.000 Euro bei Handwerkerleistungen, 20.000 Euro bei haushaltsnahen Dienstleistungen und 2.550 Euro bei haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen (Minijobs) geltend gemacht werden. Für die Berechnung des tatsächlichen Steuernachlasses legt das Finanzamt 20 Prozent der angefallenen Kosten zu Grunde. Maximal lässt sich das zu versteuernde Einkommen somit um 5.710 Euro reduzieren.

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