Schornsteinfegerwesen neu geregelt: Kehrmonopol ade

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Das neue Jahr bringt große Veränderungen für die Zunft der Schornsteinfeger. Um den Anforderungen des Europäischen Gemeinschaftsrechts gerecht zu werden, muss das Schornsteinfegergesetz den Vorgaben der Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit entsprechen.

Bisher konnte ein Schornsteinfeger nach Gesellenzeit und Meisterprüfung zum Bezirksschornsteinfegermeister einer der 7.810 Kehrbezirke in Deutschland* berufen werden. Dieser Bezirk stand ihm bis zur Rente bzw. zu seinem Tod zu, solange ihm keine groben Verstöße gegen seine Berufspflicht anzulasten waren, er arbeitsunfähig wurde, oder den Bezirk von sich aus abgab. In erster Linie bedeutete das ein krisensicheres Einkommen für diese Berufsgruppe.

Die Änderungen im Überblick

Ab dem 1. Januar 2013 fallen diese Privilegien weg. Die Kehrbezirke werden alle sieben Jahre europaweit ausgeschrieben und durch die zuständige Landesbehörde an einen bevollmächtigten Schornsteinfeger vergeben. Dies erfolgt auf Grund von Eignung, Befähigung und Leistung der Bewerber und nicht mehr auf Grund einer Warteliste. Zudem sind nur noch ein Teil der Aufgaben vom Bezirksschornsteinfeger zu erledigen. Die Führung des Kehrbuches, die Feuerstättenschau, Bauabnahmen und die Unterrichtung der Eigentümer über durchzuführende Schornsteinfegerarbeiten bleiben beispielsweise weiterhin exklusive Aufgaben der Bezirksschornsteinfeger.
Für andere Schornsteinfeger-Arbeiten, vor allem die regelmäßigen Kehr- und Überprüfungsarbeiten, sind Hauseigentümer nicht mehr an die Bezirksschornsteinfegermeister gebunden. Sie können damit jeden beliebigen, im Schornsteinfeger-Register eingetragenen Schornsteinfeger beauftragen.

Was bedeutet das jetzt in der Praxis?

Unser Handwerker des Monats Markus Wolfs, Schornsteinfegermeister aus dem nordrhein-westfälischen Niederkrüchten-Elmpt begrüßt den Fall des Kehrmonopols: „Das wird dazu führen, dass Bezirksschornsteinfegermeister sich ordentlich umgucken.“ Bislang sei Kundenorientierung und Service nicht oberstes Gebot für alle Schornsteinfeger gewesen. Das werde sich in einem freien Wettbewerb ändern „sonst rennen denen die Kunden weg“, erklärt Wolfs.

Schornsteinfegermeister Markus Wolfs bei der Arbeit

Schornsteinfegermeister Markus Wolfs bei der Arbeit

Viele Bezirksschornsteinfeger hingegen sind sich sicher, dass ihre Kunden auch mit der freien Wahlmöglichkeit nicht zu einem anderen Anbieter wechseln werden. Man kennt sich, weiß wen man ins Haus lässt und vertraut ihm. Sie befürchten, dass der Wettbewerb nur dazu führt, dass die Preise für die Arbeiten steigen, da die Schornsteinfeger nicht mehr ganze Hauszüge am Stück abarbeiten können und für ein adäquates Einkommen sorgen müssen.
Zudem sind sie nun dazu verpflichtet zu kontrollieren, ob die Hauseigentümer die Kehrarbeiten haben durchführen lassen. Das bringt viel Verwaltungsaufwand mit sich.

Für sie bringt das neue Gesetz aber auch den Vorteil, dass das Nebenbeschäftigungsverbot wegfällt. Schornsteinfeger dürfen nun nach bestimmten Fortbildungen auch neue Leistungen wie Energieberatung, Ofenbau und andere Tätigkeiten „rund ums Haus“ durchführen.

Ob das neue Gesetz Segen oder Fluch ist, wird also davon abhängen, wie sich die Schornsteinfeger auf die neue Situation einstellen. In jedem Fall haben jetzt sowohl Kunde als auch Schornsteinfeger eine Wahl.

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