Handwerksmeister und Bachelor sind jetzt gleichwertig

Lundquist Neubauer News 5 Comments

Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Handwerks brachte es auf den Punkt: „Ich sach´s mal wie im Ruhrpott: Nich´ jeder kann Meister.“ Und weil das so ist, einigten sich nun Vertreter der Bundesregierung und Länder sowie von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften darauf, den Handwerksmeister und den akademischen Bachelor-Abschluss auf eine Stufe zu stellen.

Die Gleichsetzung von Handwerksmeister und Bachelor war zugleich der wichtigstes Beschluss des sogenannten „deutschen Qualifikationsrahmens“, der die Rangfolge der Berufs- und Bildungsabschlüsse in Deutschland regelt. Das Ziel: eine europaweite Vergleichbarkeit zu schaffen und Unternehmen bei der Fachkräftesuche zu unterstützen. Der Beschluss soll in Deutschland die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Ausbildungssystemen erhöhen. Bildungsministerin Annette Schavan betonte, die hochschulische Bildung und die berufliche Bildung seien gleichwertig und der Beschluss zeige: „In Deutschland hat jeder die Chance zum Aufstieg – über den akademischen Weg genauso wie über den Weg der beruflichen Bildung.“

Alle Hintergründe zur Auseinandersetzung rund um den neuen Beschluss können Sie in einem Artikel der Deutschen Handwerkszeitung lesen.

 

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Comments 5

  1. Bei allem Respekt vor gestandenen HandwerksmeisterInnen, aber was Frau Schavan hier enthusiastisch präsentiert, ist nichts weiter als das Resultat von jahrelanger, gezielter Lobbyarbeit der Bertelsmann-Stiftung und anderen „bildungsfernen“ Schurken. Die hier als Erfolg verkaufte Aufwertung berufsqualifizierender Abschlüsse ist de facto eine Abwertung der akademischen Abschlüsse, die durch extreme Verschulung an Universitäten teuer erkauft wurde. In Wahrheit wird (als Bologna-Prozess getarnt) tradierte Bildung im humanistischen Sinne zu einer Arbeitsmarkt-konformen AUSbildung unterminiert, und damit nebenbei die deutsche Akademikerquote frisiert. Sowohl die Politik als auch die Mehrheit der professoralen Zunft müsste sich eigentlich schämen, auch das Bildungssystem neoliberalen Hasardeuren überlassen zu haben. Deutschland braucht sicher nicht nur Dichter, aber einige zusätzliche (Nach)Denker wären wünschenswert!

  2. Das ist nur anscheinend ein Fortschritt, solange für inländische Handwerker immer noch der Meisterzwang besteht.

  3. Man sollte eine bestimmte Ministerin zum Rücktritt auffordern! Selbst der dümmste Mensch merkt doch wohl, dass man eine akademische Ausbildung nicht mit der (nicht gerade erstklassischen) Aus- und Weiterbildung von IHK und co. gleichsetzen kann. Wenn sich die Lobbyisten sogar in das Bildungssystem einmischen, dann besitzt das Bildungssytem in Zukunft genauso wenig Objektivität wie in der DDR. Diese perverse Einmischung mächtiger Konzerne und Einrichtungen in so fragile Bereiche wie der Bildung ist das beste Beispiel für das Versagen des neuen verwaltungspolitischen Leitbildes „Governance“.

  4. @bachelor736,

    ich finde es schön, dass Sie so sehr von sich überzeugt sind; wenngleich ich nicht weiß, was Sie hier zum Experten qualifiziert.

    Vielleicht sollten Sie sich mal ein paar Minuten Zeit nehmen und nach „Meisterschulen“ googeln. Da geht es jahrelangen Vollzeitunterricht und nicht nur um „IHK- Weiterbildung“, denn zuständig für die Prüfungen sind die HANDWERKSKAMMERN. Wobei vor jedem Abend- Meisterkurs- Absolventen, der einen Meistertitel in harter Arbeit NEBEN dem Beruf absolviert, der Hut zu ziehen ist. Und mit Sicherheit gibt es genausoviele intelligente Handwerksmeister wie intelligente Bachelor.

    @V61Uschi Was hindert Sie, den Meister zu machen?

    Herzliche Grüße
    Silja Röthinger
    Schreinermeistrerin

  5. Es wird immer Für und Wider geben, das kommt ganz auf den jeweiligen Standpunkt und die eigene Situation an. Die einen freut’s, die anderen ärgert’s. Ein guter Theoretiker kann ein schlechter Praktiker sein und umgekehrt. Ist ein Diplom-Ingenieur von der Fachhochschule mit Fachabitur besser als ein Diplom-Ingenieur, der dies erst nach einer praktischen Handwerkerausbildung und anschließender Meisterschule wurde? Kommt es tatsächlich auf den Titel an und wie man diesen bekommt? Beweisen muss man sich doch trotzdem jeden Tag. Tröstet euch doch damit, dass die Maler nicht als „Götter in weiß“ bezeichnet werden. Immer schön locker bleiben.

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