Ausbildung im Handwerk: Der Maler und Lackierer

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Das Handwerk plagen Nachwuchssorgen. Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen
Handwerks (ZDH), hat in den vergangenen Wochen mehrfach und mit Nachdruck darauf hingewiesen. Aber
warum sollten Jugendliche eigentlich Handwerker werden wollen? Und wie lebt und arbeitet es sich
als Handwerker? Pünktlich zum Tag des Handwerks haben wir einen unserer Handwerksmeister dazu
befragt: Nico Schmidt ist Maler- und Lackierermeister und stand uns Rede und Antwort zu seinem
Beruf und der Lehrzeit.

Herr Schmidt, warum sollte man überhaupt Maler und Lackierer werden wollen?

Der Malerberuf ist kreativ, interessant und vielseitig, jedoch niemals langweilig. Darüber hinaus gibt es gute Aufstiegsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Meisterschule und sogar Studium. Viele denken sicher: „Ein bisschen Streichen und Tapezieren kann jeder!“Aber das ist falsch, wir Maler verschönern, erhalten und erneuern Dinge mit unserer Arbeit, von der anspruchsvollen Wandverkleidung bis zum Aufarbeiten einer Altbautür, ob Neubau, Altbau, innen oder außen. Das ist das Besondere an unserem Beruf: Wir werten nicht nur Dinge auf, sondern gestalten neu und sehen direkt auch das Ergebnis unserer Arbeit.

Wie sieht denn der Tagesablauf eines Malers aus? Worauf sollten sich Lehrlinge einstellen?

Die Tage beginnen früh mit dem Beladen des Firmenfahrzeugs und der Anfahrt zur Baustelle. Pünktlichkeit ist dabei sehr wichtig. Im Durchschnitt beträgt die Anfahrt ca. 30 bis 60 Minuten. Beim Kunden richten wir dann die Baustelle ein, d. h. das Auto wird ausgeladen, die Bodenflächen werden abgedeckt, eventuell ein Gerüst aufgestellt usw. Die Arbeiten werden strukturiert nach Plan ausgeführt, in den beiden Pausen wird die weitere Ausführung besprochen und um 16.00 Uhr ist Feierabend.

Welchen Anteil an der Arbeitszeit machen denn die eigentlichen Malerarbeiten, zum Beispiel das Streichen, aus?
Die Vorarbeiten dauern manchmal länger als die eigentlichen Tapezier- oder Streicharbeiten. Für anspruchsvolle Vliestapeten muss zum Beispiel der Untergrund sehr gut vorbereitet werden in Form von Spachtel- und Schleifarbeiten, mitunter muss grundiert werden. Holz muss ab- oder angeschliffen, manchmal ausgebessert, abgesaugt und gereinigt werden. Zum Lackieren muss die Fläche staubfrei sein. Abklebearbeiten, Auf- und Abbau von Gerüst oder Treppenleiter, Endreinigung der Baustelle und nicht zuletzt die Entsorgung des Restmülls sind ebenfalls sehr zeitaufwendig. Die Zeiteinteilung ist genauso unterschiedlich wie die Baustellen.

Und was machen die Lehrlinge? Müssen die nur die langweiligen Arbeiten verrichten?

Der Auszubildende muss langsam an die Arbeiten herangeführt werden, anfangs sieht er nur zu und gibt Handreichungen. Dabei wird ihm genau erklärt, wie die Arbeiten auszuführen sind und weshalb. Nach und nach kann er dann selbständig einzelne Arbeiten ausführen, jedoch immer unter dem gewissenhaften Blick des Ausbilders. Es ist nicht so, dass der Auszubildende zum Schleppen von Werkzeug und Material oder Brötchen holen eingesetzt wird. Das Ziel ist das selbständige und sorgfältige Arbeiten mit dem hohen Qualitätsanspruch eines Meisterbetriebes. Der Auszubildende,  soll sich dieses Qualitätsanspruches bewusst werden, da er den Betrieb ja verkörpert. So entsteht nach und nach ein Vertrauensverhältnis zwischen Ausbilder und Auszubildendem.

Lehrlinge machen doch sicher auch Fehler, wie gehen Sie damit um?
Ein Auszubildender, der keine Fehler macht, wäre mir unheimlich. Fehler gehören auch zur
Ausbildung, sonst wäre diese ja überflüssig. Passiert ein Fehler wird er dem Auszubildenden aufgezeigt, erklärt und von ihm selbst behoben (learning by doing). Gerade bei neuen oder schwierigen Aufgaben passieren leicht Fehler. Zur Ausbildung gehört auch das Improvisieren und Mitdenken (Spachtel abgebrochen, Nische / Heizkörper Tapezieren etc.)

Was sollte ein Lehrling mitbringen, worauf achten Sie als Meister?

Ich achte besonders auf das Auftreten und die allgemeinen Umgangsformen, auch auf die
Verhaltensnoten im Zeugnis. Bei den Schulnoten sind mir sonst noch die Fächer Mathe, Sport und
Kunst wichtig. Er sollte schwindelfrei und körperlich gesund sein, aber auch dynamisch und motiviert, schließlich sind Maler den ganzen Tag in Bewegung (manchmal auch in 12 Meter Höhe). Vor allem aber ist es uns wichtig, dass der Bewerber Interesse am Beruf zeigt.

Umstellung von der Schule auf das Arbeitsleben fällt vielen schwer. Wie lange dauert es nach
Ihrer Erfahrung, bis ein Lehrling sich an die Arbeit als Maler gewöhnt hat?

Nach ungefähr einem halben Jahr hat man sich daran gewöhnt. Es dauert eben seine Zeit, den Rhythmus umzustellen, das ging mir auch selbst so. Der Arbeitstag ist lang und anstrengend. Das frühe Aufstehen ist anfangs für viele ein Problem. Je nachdem, wo die Baustelle liegt und welchen Anfahrtsweg wir haben, muss ein Lehrling schon mal gegen 5:30 Uhr aufstehen. Aber Pünktlichkeit ist wichtig für uns, besonders wenn Kunden auf uns warten. Das muss ich als Meister dann auch dem Auszubildenden klar machen. Hat jemand verschlafen, so fahre ich direkt zur Baustelle und der Auszubildende muss sehen, wie er nachkommt. Das ist sehr lehrreich.

Was raten Sie Schülern und Schülerinnen, die sich für den Maler- und Lackiererberuf
interessieren und vor der Entscheidung stehen?

Ein Praktikum in einem Malerbetrieb von mindestens 6 Wochen ist sinnvoll und zu empfehlen. So findet man heraus, ob die Arbeit Spaß macht und man diese körperlich auch aushält. Jugendliche sollten sich bei der Berufswahl selbständig entscheiden und nicht durch Dritte oder Torschlusspanik beeinflussen lassen.

Und woran erkennen Jugendliche einen guten Ausbildungsbetrieb?

Für den Auszubildenden ist es wichtig, in den Betrieb hinein zu schnuppern und zu erfahren, welche Arbeiten dort ausgeführt werden. Viele Betriebe haben mittlerweile eine Website und präsentieren dort ihre Arbeit. Ganz wichtig: Lehrlinge sollten sich einen Betrieb suchen, der zu ihnen passt. Im Vorstellungsgespräch oder Praktikum merkt man dann, ob die Chemie stimmt.

Vielen Dank Herr Schmidt!

Weitere Informationen zur Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk:

Informationen der Arbeitsagentur

Infos der HWK Hamburg

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